Das Rumänische unterscheidet bei Substantiven fünf Kasus (Fälle): Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Der Kasus zeigt, welche Funktion ein Substantiv im Satz hat. Zum Beispiel: Băiatul citește cartea. (Der Junge liest das Buch.) Hier ist băiatul das Subjekt im Nominativ und cartea das direkte Objekt im Akkusativ.
Welche Funktionen haben die einzelnen rumänischen Kasus?
Der Nominativ kennzeichnet das Subjekt, während der Akkusativ ein direktes Objekt oder eine Ergänzung nach vielen Präpositionen kennzeichnet. Der Genitiv kennzeichnet Besitz. Der Dativ kennzeichnet ein indirektes Objekt und der Vokativ die direkte Anrede.
| Kasus | Hauptfunktion | Frage | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Nominativ | Subjekt | cine? ce? (wer? was?) | Băiatul citește. (Der Junge liest.) |
| Akkusativ | direktes Objekt oder Ergänzung nach vielen Präpositionen | pe cine? ce? (wen? was?) | Citesc cartea. (Ich lese das Buch.) |
| Genitiv | Besitz oder Zugehörigkeit | al cui? (wessen?) | Cartea băiatului este nouă. (Das Buch des Jungen ist neu.) |
| Dativ | indirektes Objekt, oft ein Empfänger | cui? (wem?) | Îi dau băiatului cartea. (Ich gebe dem Jungen das Buch.) |
| Vokativ | direkte Anrede | keine Satzgliedfrage | Băiete, vino! (Junge, komm!) |
Wie zeigen die Formen den Kasus an?
Bei den meisten rumänischen Substantiven hängt der Kasus eher von der Funktion des Substantivs als von einer eigenen Endung ab. Nominativ und Akkusativ haben meist dieselbe Form, während Genitiv und Dativ meist eine andere Form teilen. Der bestimmte Artikel und der unbestimmte Artikel machen den Unterschied zwischen den beiden Formengruppen oft sichtbar. Die erste Form jedes Paares ist unbestimmt, die zweite bestimmt.
| Substantivmuster | Nominativ–Akkusativ | Genitiv–Dativ | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|---|
| Maskulinum Singular | un băiat / băiatul | unui băiat / băiatului | Das Substantiv bleibt băiat; der Artikel ändert sich. |
| Femininum Singular | o casă / casa | unei case / casei | Die Substantivform ändert sich von casă zu case; auch der Artikel ändert sich. |
| Plural nach maskulinem Muster | niște băieți / băieții | unor băieți / băieților | Das Substantiv bleibt băieți; der Pluralartikel ändert sich. |
Im Genitiv–Dativ verwendest du unui für Maskulinum und Neutrum Singular. Für Femininum Singular verwendest du unei und für den Plural unor. Der bestimmte Artikel wird an das Substantiv angehängt: Vergleiche băiatul mit băiatului und băieții mit băieților.
An der sichtbaren Form eines Substantivs lässt sich sein Kasus nicht immer erkennen. Băiatului steht in cartea băiatului im Genitiv, in Îi dau băiatului cartea. dagegen im Dativ. Die Vokativformen hängen vom jeweiligen Substantiv ab. Băiete ist der standardsprachliche, registerneutrale Vokativ von băiat. Ein anderes Substantiv kann eine andere Endung oder dieselbe sichtbare Form wie im Nominativ–Akkusativ haben. Die einzelnen Muster erklärt der Artikel über den rumänischen Vokativ.
Wie erkennst du den Kasus in einem Satz?
Bestimme zuerst, in welcher Beziehung das Substantiv zum Verb oder zu einem anderen Substantiv steht. Prüfe dann seinen Artikel und seine Form.
- Finde das Subjekt. Es steht normalerweise im Nominativ: Băiatul citește. (Der Junge liest.)
- Finde das direkte Objekt. Es steht im Akkusativ: Citesc cartea. (Ich lese das Buch.)
- Finde den Empfänger. Er steht im Dativ: Îi dau băiatului cartea. (Ich gebe dem Jungen das Buch.)
- Finde den Besitzer. Er steht im Genitiv: cartea băiatului (das Buch des Jungen).
- Finde die direkte Anrede. Ein Substantiv, mit dem jemand gerufen wird, steht im Vokativ: Băiete, vino! (Junge, komm!)
Welche Rolle spielen Präpositionen und pe?
Viele gebräuchliche Präpositionen leiten eine Substantivgruppe mit Akkusativform ein: cu prietenul (mit dem Freund) und la școală (in der Schule). Das Rumänische kann ein direktes Objekt mit pe markieren, etwa in Îl văd pe băiat. (Ich sehe den Jungen.) Das Wort pe ist eine Markierung und kein zusätzlicher Substantivkasus. Die genaue Wahl von pe hängt unter anderem von der Bestimmtheit und davon ab, ob das Objekt eine Person bezeichnet. Mehr zu dieser gesonderten Frage findest du im Artikel über die Objektmarkierung pe.
Häufige Fehler
- Gehe nicht davon aus, dass băiatului immer „dem Jungen“ oder immer „des Jungen“ bedeutet. Nach dau steht die Form im Dativ, nach cartea im Genitiv.
- Suche nicht für jeden Kasus nach einer anderen Substantivendung. Im Rumänischen werden Nominativ und Akkusativ sowie Genitiv und Dativ häufig jeweils zusammengefasst.
- Verwende beim Ansprechen einer Person keine Genitiv- oder Dativform. Die direkte Anrede erfordert den Vokativ, wie in Băiete, vino!, und wird normalerweise durch ein Komma abgetrennt.
Welcher Kasus kennzeichnet die direkte Anrede in Băiete, vino!?
- Nominativ
- Akkusativ
- Genitiv
- Vokativ
Der Vokativ kennzeichnet die direkte Anrede. Băiete ist hier die Vokativform und nicht das Subjekt der Aufforderung.
Ergänze den Satz: Îi dau ___ cartea. (Ich gebe dem Jungen das Buch.)
- băiatul
- băiatului
- băiete
- băieți
Băiatului bezeichnet den Empfänger und antwortet auf die Frage cui? (wem?), daher steht es im Dativ.
In welchem Satz steht băiatul als Subjekt im Nominativ?
- Băiatul citește cartea. (Der Junge liest das Buch.)
- Cartea băiatului este nouă. (Das Buch des Jungen ist neu.)
- Îi dau băiatului cartea. (Ich gebe dem Jungen das Buch.)
- Băiete, citește cartea! (Junge, lies das Buch!)
In Băiatul citește cartea. ist băiatul das Subjekt und steht deshalb im Nominativ. In den anderen Sätzen stehen ein Besitzer, ein Empfänger oder eine direkte Anrede.
In welchem Satz drückt băiatului Besitz aus und bezeichnet keinen Empfänger?
- Cartea băiatului este nouă. (Das Buch des Jungen ist neu.)
- Îi dau băiatului cartea. (Ich gebe dem Jungen das Buch.)
- Băiatul citește cartea. (Der Junge liest das Buch.)
- Băiete, vino! (Junge, komm!)
In cartea băiatului antwortet băiatului auf die Frage al cui? (wessen?) und steht deshalb im Genitiv. Dieselbe sichtbare Form steht in Îi dau băiatului cartea. im Dativ.
Welche Aussage über die Kasus rumänischer Substantive ist richtig?
- Nominativ und Akkusativ haben immer unterschiedliche Substantivendungen.
- Genitiv und Dativ haben immer unterschiedliche Substantivendungen.
- Dieselbe Form băiatului kann im Genitiv oder Dativ stehen; ihre Satzfunktion bestimmt den Kasus.
- Der Vokativ kennzeichnet immer das Subjekt.
Im Rumänischen haben Genitiv und Dativ häufig dieselbe Form. Die Konstruktion bestimmt die Funktion: Bei einer Besitzbeziehung steht die Form im Genitiv, bei einem Empfänger im Dativ.